Ausgepumpt 5

 

In den letzten Tagen ging es Schlag auf Schlag, jeden Tag wurde eine neue Rolle eingesprochen. Den Anfang machte der Berliner Schauspieler Werner Wilkening, der bei mir auch gleich mal für eine Premiere sorgte: Das erste Mal in meiner Regisseurs-Laufbahn habe ich einen Schauspieler via Telefon inszeniert. Und ich muss sagen, dass es mehr als gut funktioniert hat. Ich hatte es mir sehr viel schwerer vorgestellt, aber Werner Wilkening verstand es wunderbar, meine Anweisungen umzusetzen – auch ohne unterstützende Mimik und Gestik. Wer mich und meine Arbeit etwas verfolgt, wird sich allerdings spätestens jetzt darüber wundern, dass ich für dieses Hörspiel „X-e“, also alle Sprecher einzeln aufnehme, obwohl ich nicht müde werde, diese Aufnahmetechnik für das Hörspiel abzulehnen. Ich habe diesmal aber gute Gründe so vorzugehen, und werde diese später an dieser Stelle noch ausführen. Soviel aber erstmal vorweg: Die schiere Anzahl der Rollen und ihre Größe, bzw. Kleine sind der Hauptgrund für meine Entscheidung, diesmal nicht im Ensemble aufzunehmen. Viele Rollen haben nur zehn oder fünfzehn Takes – und das würde im Ensemble den Rahmen sprengen und wäre auch dispositionell eine Katastrophe.

Dann gibt es auch noch eine Menge Kleinstrollen, mit vielleicht zwei Takes (ich schrieb vorher schon davon). Da trifft es sich gut, dass meine Frau und ich dieser Tage sehr viel Besuch zu Hause hatten. Und Jede/r, der/die bei uns weilte, musste vor’s Mikrofon – ob er/sie wollte oder nicht! Ich glaube ich behalte das bei: „Du willst einen Kaffee? Gerne, aber vorher sprich mir mal die Texte ein!“ 😉 So ging dieser Kelch auch nicht an meiner Schwiegermutter vorbei, die eine (Mit-)Reisende zum Leben erwecken sollte. Und das hat super funktioniert, wie ich finde. Vielen Dank dafür! 🙂 Und da sie nach etwas verhaltenem Beginn (sie stand noch nie für Aufnahmen vor einem Mikrofon) richtig Blut geleckt haben zu schien, wird es bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich sie um ihre Stimme gebeten habe!

Und heute habe ich dann selbst eingesprochen. Was wie Selbstüberschätzung aussieht, ist aber einfach Kostenersparnis. Außerdem habe ich mir den Spaß erlaubt, in jedem meiner Hörspiele seit „Papis Liebling“ aufzutauchen. Mal war die Rolle kleiner (ebenda, „meinTag“), mal etwas größer („Blind Date“, „Schneetreiben“) und mal ist es nur die Absage („Lula“). Aber es bereitet mir immer große Freude, wenngleich ich zugeben muss, dass es mir schwer fällt, mich selbst zu inszenieren. Da nehme ich dann lieber mal zwanzig verschiedene Versionen von einem Take auf, als dass ich mich dann hinterher ärgere, weil ich eventuell zu schlampig aufgenommen habe. Oder durch mein Spiel nicht in das Gesamtbild der Szene passe. Und seine Stimme dann in den fertigen Szenen neben den „großen“ Sprechern des Hörspiels zu hören, hat auf jeden Fall was! 😀

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